Didaktik

Brainwalking: „Laufend lernen“

Brainwalking: „Laufend lernen“

Seit der Umstellung Diplom auf Bachelor und Master sind in vielen Studiengängen u.a. auch „Soft Skill“-Module im Curriculum fest verankert. So auch im Bachelorstudiengang Wirtschaftsinformatik an der Technischen Fachhochschule Wildau, wo die Studierenden unter anderem das Modul Zeitmanagement wählen können. Da das persönliche Zeitmanagement ganz wesentlich davon abhängt, wie gut man sich konzentrieren bzw. inwieweit man schnell denken kann ist u.a. „Konzentration und Gedächtnis“ ein inhaltlicher Aspekt der Lehrveranstaltung. In diesem Zusammenhang fand für die Studierenden (4. Semester Wirtschaftsinformatik (Bachelor) ), die das Modul Zeitmanagement mit mir als Dozentin gewählt hatten, im Sommersemester 2009 eine Exkursion unter dem Motto „Brainwalking“ statt.

Brainwalking basiert auf einem von der Gesellschaft für Gehirntraining entwickelten Trainingskonzept, dem „Mentalen Aktivierungstraining (MAT)“. Nach dem bereits von Albert Einstein genanntem Motto „Wir können überhaupt nicht denken, ohne unsere fünf Sinne zu gebrauchen“ beinhaltet Brainwalking ein Gehirntraining, das in der freien Natur ausgeübt wird, alle Sinne anspricht und insbesondere die Zusammenarbeit beider Gehirnhälften fördert.

Gemeinsam mit der MAT-Trainerin Frau Dea Grüner (www.denk-spruenge.de) und fanden wir uns pünktlich um 9 Uhr zum “Unterricht” im Park am Insulaner in Berlin-Steglitz ein. Ein wenig Skepsis war schon dabei („Mal sehen, was uns da so erwartet“), doch das Wetter war mehr als schön, so dass rein äußerlich gar nichts gegen einen Spaziergang sprach. Frau Grüner konfrontierte uns mit kleinen spielerischen Denksportaufgaben, die unsere volle Konzentration forderten und nicht ganz so „nebenbei“ gelöst werden konnten. Ziel war neben der Steigerung der Konzentration auch die Verbesserung der Informationsverarbeitung und Merkfähigkeit. Eine wesentliche Grundidee bei diesem Training ist die, Dinge einfach „mal anders“ zu tun: So wurden z.B. jeweils mit den Zahlen von Eins bis Acht Übungen mit einem Ball verbunden (um den Körper kreisen, hochwerfen und klatschen usw.), die wir dann auf Kommando im Gehen absolvieren mussten. Das hört sich auf den ersten Blick vielleicht simpel an, doch mit zunehmender Geschwindigkeit der Kommandos nahm die Vielfältigkeit der Übungsausführungen proportional zu bzw. nicht alle Aktionen „passten“ zur angegeben Zahl. Die anfängliche Skepsis wurde so zunehmend von Spaß abgelöst, so dass alle engagiert mitmachten und skeptische Blicke der vorbeilaufenden Jogger ignorierten, die eine solche „ballwerfenden Wandertruppe“ bisher sicher nicht so oft gesehen haben. Aber auch Tast- und Riechsinn wurden mit verschiedenen Übungen trainiert sowie die Loci- Methode zum Merken von Begriffen bzw. Stichpunkten geübt. Bei dieser, schon den Römern bekannten Methode, werden die Begriffe, die man sich merken möchte, mit verschiedenen Orten verknüpft. Als „Orte“ können zum Beispiel auch Körperteile wie Kopf, Gesicht, Hals usw. genommen werden, um die Merkworte anschließend mit ihnen zu verbinden. (Z.B. der Granatapfel liegt dem Kopf, die Erdbeermarmelade ist im Gesicht verschmiert, das Isolierband ist um den Hals gewickelt usw. .) Je verrückter die Verknüpfung, desto größer die Chance, die Begriffe dauerhaft zu behalten, denn unser Gehirn merkt sich vornehmlich Dinge und Ereignisse, die einprägsam und ungewöhnlich sind und irgendwie „aus der Reihe fallen“ – auch wenn die Verknüpfung vielleicht etwas sonderbar anmutet.

Der Spaziergang zeigte uns allen, dass „Lernen mit allen Sinnen“ richtig Spaß machen kann und stellte eine interessante Erfahrung dar, die mal so ganz anders als der „normale“ Lernalltag war. Dieser hatte uns zwar kurz danach wieder voll im Griff , doch für den Fall, dass es in Zukunft mal wieder so gar nicht geht mit der Konzentration: Fenster auf, einmal um den Campus laufen oder auch mal die Zeitung verkehrt rum lesen – das bringt die grauen Zellen in Trab!

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