Inhalt

Nur eine Übungsstunde?

Nur eine Übungsstunde?

Gerne erinnere ich mich an meine Zeit als Referendar mit den Fächern Mathematik und Physik in Berlin zurück. Eine Etappe noch auf dem Weg zum Studienrat, die mit zahlreichen interessanten Aufgaben und Erfahrugnen “gespickt” war: Unterricht vorbereiten und halten, didaktische Entscheidungen treffen und nach einem Unterrichtsbesuch gegenüber dem Seminarleiter vertreten, aber auch Möglichkeiten suchen, um in Stunden erfahrener Kollegen/innen zu hospitieren. Also die Frage zu stellen: “Darf ich Sie in Ihrem Unterricht besuchen?” Und des Öfteren die Antwort zu erhalten: “Eigentlich lohnt sich der Besuch nicht. In dieser Stunde passiert eh nichts. Es ist nur eine Übungsstunde.”

Nur eine Übungsstunde?

Je länger ich über diese Antwort nachdachte, desto kurioser wurde sie: Wie, wenn nicht durch Üben, lässt sich erarbeitetes Wissen festigen, in verschiedenen Anwendungsfällen ausprobieren, Sicherheit mit der Materie und Selbstbewusstsein der Schüler entwickeln, Wissen sogar ausbauen usw. usw. usw.? Gleichzeitig wird dem Üben durch die Antwort aber eher eine unwichtige Rolle zugewiesen.

Worum geht es beim Üben? Je ein Aspekt aus Lehrer- und Schülersicht sei genannt:

Übungsaufgaben wollen aus Sicht des Lehrers richtig ausgesucht werden: Sie müssen zu den aktuellen Kompetenzen der Schüler passen, sind durch- oder nachzurechnen (damit man nicht im Unterricht über einen Fehler stolpert oder über einen Gedankenschritt, den die Schüler aufgrund ihres Wissensstandes leider doch noch nicht leisten können), sollen vielleicht auf einen Leistungsnachweis vorbereiten, diesen aber nicht vorweg nehmen (typischer Anfängerfehler, vor dem ich anfangs mehrmals stand: die schönsten Aufgaben hatte ich bereits im Unterricht behandelt; damit war ihr Einsatz in der Klassenarbeit tabu), eine Diagnose der Leistungsfähigkeit der Schüler ermöglichen …

Aus Sicht der Schüler müssen Übungsaufgaben mindestens ansprechend sein: Gleiche Sachverhalte müssen in verschiedenen Formen und Schwierigkeitsgraden dargeboten werden, so dass keine Langeweile, aber auch keine Unter- oder Überforderung aufkommen. Sie müssen planbar sein, damit man nicht zu wenig Aufgaben für die Stunde hat, damit aber auch nicht über das Stundenklingeln hinaus an einer Fragestellung zu knobeln ist usw. usw. usw.

Also: Nur eine Übungsstunde? Mitnichten! Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung von Übungsstunden gehören mindestens in der Mathematik zu den anspruchvollsten Aufgaben, denen sich ein Lehrer stellen muss. Sie gehören aber auch zu den Aufgaben, denen der größte Erfolg beschieden sein kann, wenn die Schüler vermittels der Übungen Fertigkeiten ausprägen oder entwickeln oder wenn ihnen gar anhand der Übungsaufgaben “ein Licht” aufgeht!

Bleibt eine immerwährende Frage: Woher bekommt ein Lehrer das passende, in sich konsistente und abwechslungsreiche Übungsmaterial in angemessener Zeit? Hier sei auf den Beitrag der Kollegin Tippe verwiesen: Ich bin auf Bettermarks ((www.bettermarks.de) gespannt!

Diskussion

Keine Kommentare für “Nur eine Übungsstunde?”

Kommentar schreiben

News

  • Hinweis auf Artikel in der zeit-online: “Das Elend mit dem E-Learning” > mehr
  • BITKOM-Untersuchung zur Nutzung von E-Learning > mehr
  • TFH Wildau wurde umbenannt > mehr
  • Neuer Vorstand des Hochschulverbundes für Distance Learning gewählt > mehr
  • Jeder fünfte Deutsche nutzt E-Learning > mehr

Veranstaltungen

  • Infoveranstaltung Studieren neben dem Beruf am 2.6.2010 > mehr
  • LERNET Roadshow > mehr
  • Lernen im Web 2.0 - Vortrag über E-Learning an der BAW > mehr

Neueste Kommentare

  • Michael: Neben Bettermarks teste ich auch gerade die LernCoachies.de. http://www.lerncoachies.de Toll, ist...
  • Wetie Mursta: Da fragt man sich beim Lesen schon, ob man doof ist. Dankeschon fur deine Erlauterungen
  • Helmut Vogt: Mich wundert es etwas, dass die Veranstaltung ohne Beteiligung der Deutschen Gesellschaft für...
  • Bertil Haack: Ich hatte beim Verfassen des Beitrags zwei wesentliche Gedanken vor meinem geístigen Auge, die mich u....
  • Heinz: Schön dass jemand dem Problem des Lernens Aufmerksamkeit schenkt. Das ist selten in der E-Learning Diskussion....

Buchempfehlungen

  • Unterrichten mit Moodle. Praktische Einführung in das E-Teaching > mehr
  • Kompetenzentwicklung im Netz: New Blended Learning mit Web 2.0 > mehr
  • Open-Source-Werkzeuge für e-Trainings > mehr